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Aktuelle Projekte

Aktuelle Projekte

Generation Y als Herausforderung für das Gesundheitswesen
In der Sozialforschung wird die Altersgruppe der 16- bis 30-Jährigen als "Generation Y" bezeichnet. Eine Umfrage unter der Patientenpopulation der „Generation Y“ soll Einblicke in die Bedürfnisse dieser Patientenpopulation geben. Das Projekt wurde in der Zeit vom Oktober 2016 bis Oktober 2017 vom Janssen Forum behandelt. 

Projektablauf:
 

1. Umfrage

Institut: 
Integral Markt- und Meinungsforschung; 

Zeitraum: 
November 2016

Ergebnisse:
Gesundheitskompetenz: Knapp zwei Drittel der Gen Y stufen ihr theoretisches Wissen über eine gesunde Lebensweise als relativ gut ein. Ihren persönlichen Lebensstil beurteilt die Gen Y aber eher kritisch – nur jeder Zehnte stuft den persönlichen Lebensstil als gesund ein. Sie betreibt überraschend wenig Sport (zwei bis drei Stunden/Woche) und zeigt sich mäßig motiviert bezüglich gesundheitsfördernder Maßnahmen.

Medizinische Versorgung/Patientenrechte: Die Mehrheit (mehr als 70 Prozent) ist mit der medizinischen Versorgung zufrieden, Befragte, die einen Allgemeinmediziner haben, zeigen sich zufriedener. 80 Prozent haben einen persönlichen Allgemeinmediziner. Ein Defizit herrscht bei jedem Zweiten beim Wissen über Patientenrechte.

Prioritäten bei Arztkontakt: Ärzte stellen gefolgt vom Internet die wichtigste Quelle bei Gesundheitsfragen dar. Gewünscht werden vom Arzt von neun von zehn Befragten vor allem Soft Skills (Zuhören, ausführliches Erklären, Zeit, Kommunikation auf Augenhöhe). Zeit wird insgesamt als kritischer Faktor gewertet. In Arztpraxen wünscht man sich kurze Wartezeiten und angenehme Atmosphäre. Beim Arztgespräch bringt sich die Mehrheit aktiv ein. Zwei von drei jungen Patienten bringen selbst recherchierte Informationen in die Praxis mit. Die junge Zielgruppe zeigt sich überwiegend adhärent. Für immerhin 50 Prozent sind Internet-Bewertungen für die Wahl von Ärzten oder medizinischen Einrichtungen wichtig.

Informationsquellen bei Gesundheitsthemen: Besonders wichtig im Netz sind für die Zielgruppe behördliche und unabhängige Websites. Fitness-Apps und Tracker sind beliebter als Gesundheits-Apps („Quantify yourself“), Social Media werden im Gesundheitsbereich aber eher passiv genützt.

Soziales Ungleichgewicht: Health Literacy ist vor allem eine Frage von Bildung und Einkommen. Die Studie weist einmal mehr auf soziales Ungleichgewicht hin. Personen mit niedrigerem Bildungsstand haben nicht nur eine geringere (wahrgenommene) persönliche Gesundheitskompetenz, sie neigen auch eher zu passivem Verhalten bei Arztgesprächen und sind insgesamt schlechter über Patientenrechte informiert.

2. Denkanstöße vonseiten des Janssen Forums

Das Janssen Forum hat in Bezug auf die Ergebnisse der Umfragen folgende sieben Denkanstöße adressiert:

1. Die Schule muss bei der Förderung der Gesundheitskompetenz einspringen
In Österreich herrscht bei der Gesundheitskompetenz („Health Literacy“) Nachholbedarf, sie sinkt tendenziell. Das betrifft auch junge Patienten: Die generationsübergreifende Weitergabe von Gesundheitswissen in den Familien hat abgenommen, in der Schule findet das Thema Gesundheit kaum Platz. Aus Sicht des Janssen Forums müssen die Bildungseinrichtungen, Schulen, aber bereits auch Kindergärten, bei der Vermittlung von Gesundheitswissen und in ihrer Vorbildfunktion eine wesentlich größere Rolle spielen. School Nurses könnten einen Teil der Beratung und Bewusstseinsbildung übernehmen.

2. Psychische Gesundheit muss bereits bei den zehn- bis 14-Jährigen adressiert werden
Von den zehn Rahmen-Gesundheitszielen in Österreich zielt nur eines auf psychische Gesundheit ab, obwohl Depression mittlerweile auch in Österreich zu den verbreitetsten Krankheiten zählt und die Krankheitslast entsprechend hoch ist. Die Gruppe der 10- bis 14-Jährigen muss hier aus Sicht des Janssen Forums dringend in den Fokus aufgrund der langen Latenzzeit bei psychischen Krankheiten rücken. Auch bei diesem Thema wäre die Schule eine wichtige Schnittstelle. Die Praxis zeigt zudem, dass junge Patienten sich therapeutischer Betreuung gegenüber durchaus aufgeschlossen zeigen, Familien diese aber oftmals nicht finanzieren können. Therapien für junge Patienten müssen daher finanziell besonders unterstützt werden.

3. Jungen Patienten müssen in der richtigen Sprache und über Peers angesprochen und in Entscheidungen eingebunden werden
Um junge Patienten effektiv zu erreichen, muss der niederschwellige Zugang zu validierten Informationen erleichtert werden. Information muss attraktiv sein und in der Sprache und in den Kanälen der Zielgruppe erfolgen. Bei der Entwicklung von Kommunikationsstrategien und Maßnahmen sowie deren Umsetzung sollten die jungen Zielgruppen über Peers aktiv mitwirken, da Vertrauen für effektive Kommunikation wichtig ist. Bei Entscheidungen über künftige Entwicklungen im Gesundheitsbereich sollte die Gen Y aktiv eingebunden werden.

4. Allgemeinmediziner muss kompetenter/glaubwürdiger Partner bleiben
Auch im Internet-Zeitalter behalten Bindung und Sicherheit ihre zutiefst wichtige Rolle für den Menschen. Dementsprechend ist für die Gen Y der Hausarzt immer noch erster Ansprechpartner bei Gesundheitsfragen, von dem junge Patienten vor allem Zeit und Soft Skills im Bereich Kommunikation erwarten. Nachdem tradiertes Wissen zunehmend an Bedeutung verliert und die Fülle der Informationen bei der Gen Y häufig eher zu Unsicherheit führt, braucht es eine kompetente persönliche ärztliche Anlaufstelle. 

5. Arbeitgeber im Gesundheitswesen müssen Anreizsysteme anpassen 
Aus Sicht der Experten des Janssen Forums müssen sich die Arbeitgeber des Gesundheitswesens speziell auf die Arbeitnehmer der Gen Y einstellen und neue Anreizmodelle schaffen. Die Erwartung an Job und Arbeit hat sich verändert, Arbeit muss Sinn stiftend sein. Für Gen Y Mitarbeiter sind Mitgestaltung, Work-Life-Balance, Zusatzausbildungen und „Lob/Applaus“ tendenziell höhere Motivatoren als Karrieresprünge, Führungspositionen und Gehaltsentwicklung. 

6. Arbeitgeber im Gesundheitswesen müssen Führungsverhalten verändern 
Gen Y-Mitarbeiter begegnen Vorgesetzten - auch auf wesentlich höheren Hierarchieebenen - viel eher auf Augenhöhe als früher. Autorität entsteht heute kraft Argumenten und nicht länger kraft der Position. Dies entspricht auch den veränderten Anforderungen an Mitarbeiter, von denen heute mehr Selbstsicherheit, Eigenverantwortlichkeit und Kreativität gefordert wird als von früheren Mitarbeitergenerationen. Das Führungsverhalten muss sich auch im Gesundheitsbereich entsprechend verändern und anpassen. Neue Peer-to-Peer-Modelle können auch am Arbeitsplatz bei Personalauswahl, -ausbildung und -training zielführend sein.

7. Sinkende Leistungsbereitschaft muss für zukünftige Entwicklungen mitbedacht werden
Da es keine „de-facto-Arbeitsplatzsicherheit“ mehr gibt, sind Leistungsbereitschaft und Loyalität im Vergleich zu den Vorgenerationen bei Jung-Medizinern und -Pflegekräften gesunken. Befristete Arbeitsverträge, Personalleasing oder die geforderte hohe Flexibilität verändern auch die Grundeinstellung gegenüber dem Arbeitgeber. In etwa einem Jahrzehnt droht ein Pensionsschub bei Pflegekräften, der für das Gesundheitssystem eine Herausforderung darstellen wird. Die Gesundheitseinrichtungen müssen sich auf die geänderte Leistungsbereitschaft einstellen, um eine langfristig flächendeckende Gesundheitsversorgung zu sichern.

Weitere Projekte:

2016 Kommunikation und Kooperation an der Schnittstelle
2016 Studie „Patient Pathways“
2015 Arzt sein heute
2014 Der Patient im Mittelpunkt
2013 Der digitale Patient