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ADHS

ADHS – Krankheit, Symptome, Diagnose und Behandlung

Was ist ADHS?

Die Abkürzung ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Dahinter verbirgt sich eine der häufigsten psychiatrischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Einer Erhebung des Robert Koch-Instituts zufolge erhalten knapp fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland die Diagnose ADHS. Eine neurobiologische Funktionsstörung im Gehirn löst die Erkrankung aus. In Anspielung auf den typischen Bewegungsdrang vieler ADHS-Kinder heißt die Krankheit im Volksmund auch „Zappelphilipp-Syndrom“. Der Oberbegriff Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) beschreibt eine Ausprägung der Erkrankung, bei der die Kinder und Jugendlichen sich nicht hyperaktiv verhalten, sondern nur in ihrer Aufmerksamkeit gestört sind.

So äußert sich ADHS: Symptome

Die drei Hauptsymptome einer ADHS – Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Impulsivität – können unterschiedlich ausgeprägt sein und müssen nicht alle gleichzeitig auftreten. Charakteristisch sind folgende Verhaltensauffälligkeiten:

  • Hyperaktive Kinder und Jugendliche bzw. übersteigerter Bewegungsdrang und motorische Unruhe
    • zappeln ständig mit Händen und Füßen oder rutschen auf dem Stuhl herum
    • verhalten sich allgemein sehr unruhig
    • haben Schwierigkeiten, still zu sein
    • sind ständig in Bewegung, laufen und klettern in unpassenden Situationen herum
    • reden unaufhörlich dazwischen (sogenannter "Sprechdurchfall")
  • Unaufmerksame Kinder und Jugendliche
    • sind unfähig, sich zu konzentrieren oder länger aufmerksam zu sein (Konzentrationsstörungen)
    • lassen sich leicht ablenken und haben keine Ausdauer beim Spielen oder beim Erledigen von Aufgaben
    • sind übermäßig vergesslich; haben Schwierigkeiten, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren
    • führen Aufträge nicht vollständig zu Ende, z. B. Schularbeiten
  • Impulsive Kinder und Jugendliche
    • platzen häufig mit Antworten heraus, bevor eine Frage beendet worden ist
    • können nur schwer warten, bis sie an die Reihe kommen
    • platzen ständig in Gespräche oder Spiele anderer hinein
    • reden unüberlegt, viel und ungebremst
    • sind in allem, was erledigt werden muss sehr sprunghaft und nicht zuverlässig

Diese Symptome können jedoch auch auf eine andere Erkrankung hindeuten. Zur Klärung sollte immer ein Arzt zu Rate gezogen werden, der durch unterschiedliche Diagnoseverfahren die vorliegende Erkrankung feststellen und die richtige Therapie einleiten kann.

ADHS erkennen: Diagnose

Nicht jedes unruhige oder unaufmerksame Kind leidet unter ADHS. Ob wirklich eine Erkrankung vorliegt, kann nur ein erfahrener Kinderarzt oder Kinder- und Jugendpsychiater feststellen, nachdem er das Kind intensiv untersucht hat. Die Diagnose ADHS wird häufig erst im Schulalter gestellt, da die Verhaltensstörungen oft erst dann auffallen. Kinder mit ADHS können oft die notwendige Aufmerksamkeit über längere Zeit nicht aufrechterhalten und haben nicht genug Ausdauer beim Lösen schulischer Aufgaben. So ist der Schulalltag für viele Kinder mit ADHS kaum zu bewältigen.

Vielfach gehen bei den Patienten weitere psychiatrische Störungen mit ADHS einher – beispielsweise Aggressionen, Lernstörungen oder Depressionen. Bleibt ADHS unbehandelt, kann das ernsthafte Folgen für das Kind und sein gesamtes familiäres Umfeld nach sich ziehen. Es gibt beispielsweise Probleme in der Familie, das Kind hat Schwierigkeiten in der Schule oder ist einer erhöhten Suchtgefahr ausgesetzt.

Leben mit ADHS: Behandlung und Verlauf

Die ADHS-Behandlung fußt auf drei wichtigen Säulen: Psycho- und Verhaltenstherapie, Einsatz von Medikamenten sowie pädagogische Maßnahmen durch Eltern oder Lehrer. Ob verhaltenstherapeutische Maßnahmen ausreichen und wie die Behandlung aufgebaut wird, richtet sich vor allem nach den Symptomen. Auch der Leidensdruck des Kindes oder Jugendlichen und seiner Familie spielt eine Rolle. Die Entscheidung darüber, welche Therapie individuell angemessen ist, kann nur der behandelnde Arzt treffen.

Die ADHS-Symptome verschwinden in vielen Fällen nicht mit der Pubertät – vielmehr können sich deutliche Anzeichen der Erkrankung bis ins Erwachsenenalter fortsetzen. Dazu gehört eine unzureichende Konzentration, mangelnde Selbstorganisation und Probleme, sich selbst in emotionalen Stresssituationen zu beherrschen. ADHS kann für viele Betroffene eine dauerhafte, lebenslange Erkrankung bleiben.

Häufige Fragen zur Krankheit ADHS

1. Wie häufig tritt ADHS auf?

ADHS gehört zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Die Prävalenz der ADHS bei Kindern und Jugendlichen wird weltweit auf rund 5% geschätzt.1

2. Ist ADHS heilbar?

Nein, die Krankheit ist nicht grundsätzlich heilbar. Durch intensive Betreuung und eine gezielte Behandlung kann man Kindern und Jugendlichen, die mit ihr leben, jedoch eine weitgehend normale Entwicklung ermöglichen.

3. Wer behandelt ADHS?

Die Diagnose und Behandlung von ADHS wird in der Regel von einem Kinder- und Jugendpsychiater oder von einem in der ADHS-Behandlung erfahrenen Kinder- und Jugendarzt vorgenommen.

4. Ist ADHS vererbbar?

Studien weisen darauf hin, dass erbliche Faktoren bei ADHS eine wichtige Rolle spielen. Das relative Risiko an ADHS zu erkranken ist fünf bis neun Mal höher bei Kindern mit einem Verwandten ersten Grades, der ebenfalls an der Störung leidet.2

5. Was verursacht ADHS?

Die Krankheit wird durch eine neurobiologische Funktionsstörung im Gehirn ausgelöst. Das Gleichgewicht wichtiger Botenstoffe, die für Konzentrationsfähigkeit, Wahrnehmung und Impulskontrolle verantwortlich sind, ist bei den Patienten gestört.

6. Was ist wichtig im Umgang mit der Krankheit?

Ein strukturierter Tagesablauf und bestimmte Verhaltensregeln für das ADHS-erkrankte Kind und seine Familie erleichtern den Umgang mit der Krankheit. Es braucht klare Regeln und feste Abläufe. Positive Eigenschaften des Kindes zu belohnen und zu fördern, stärkt zudem dessen Motivation und Selbstvertrauen.

 

Unser Angebot für Patienten mit ADHS

Online-Portal „Mehr vom Tag“ mit Informationen zur Erkennung und Behandlung von ADHS für Eltern, Lehrer, Therapeuten und Interessierte sowie Tipps zum Umgang mit ADHS im Alltag
Mehr vom Tag

 

Weitere Informationen

Online-Informationsportal zu ADHS vom Selbsthilfeverein ADHS Deutschland e.V.
ADHS Deutschland e.V.

Online-Informationsportal des Zentralen ADHS-Netzes, einem bundesweiten Netzwerk zur Verbesserung der Versorgung von ADHS-Patienten
Zentrales ADHS-Netz

 

Die Informationen, die wir Patienten zur Verfügung stellen, können einen Arztbesuch nicht ersetzen. Zudem können wir aus gesetzlichen Gründen Patienten und sonstigen Laien im Sinne des Heilmittelwerberechts (§ 10 HWG) keine werblichen Informationen über verschreibungspflichtige Medikamente bereitstellen.

1 Banaschewski T et al. Attention Deficit/Hyperactivity Disorder. Dtsch Arztebl 2017 Int 114(9):149-159
2 Thapar A et al. Attention deficithyperactivity disorder, Lancet 2015
 
EM-55576